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Baude Koration

10. März 2010

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Heute morgen an der Ampel – Berufsverkehr, Rückstau, Wartezeit… mein Blick schweift hin und her, auf der Suche nach etwas was den Moment füllt, ganz unbewusst. Meine Augen bleiben hängen am Lieferwagen vor mir (sollte man laut Straßenverkehrsordnung nicht ohnehin vorausschauend fahren?) – genauer: an der Aufschrift auf der Rückseite des Transporters. Im Entziffern einer Schriftart. die vermutlich zuallererst anders sein sollte als andere, stolpert mein verlängertes Rückenmark schließlich über  zwei Wörter:

Baude Koration

Und mein Großhirn hat keine Ahnung, was sie bedeuten. Habe ich mich verlesen? Steht da vielleicht “Bruder” statt “Baude”? Haben die sich verschrieben? Müsste das nicht “Kreation” statt “Koration” heißen?

Als ich kurz davor stehe, den Code der Verschwörer mit dem Lieferwagen zu knacken, springt die Ampel auf grün – und in diesem Moment geht nicht nur das grüne Licht an, sondern mir auch ein ganzer Kronleuchter: Es sind nicht zwei Worte, es ist ein Wort – getrennt durch die Fuge zwischen den beiden Türflügeln hinten am Lieferwagen. Es heißt nicht “Baude Koration” – es heißt “Baudekoration”! Schlagartig passt für mein Großhirn zusammen, was mein erster Eindruck nicht zusammen gebracht hat.

Und während ich weiter durch den Verkehr hinter den Malern her fahre die sich als Geheimorganisation getarnt haben, frage ich mich: Wo trennen wir Dinge, die eigentlich zusammen gehören – und machen sie dadurch für andere unverständlich?

Wie ist das mit unserem Bild von Jesus als wahrer Mensch und wahrer Gott – kann man seine Mission, seine Botschaft und sein Leben nicht erst dann wirklich verstehen, wenn man beides zusammen sieht? Wie ist das mit Evangelisation und Diakonie – kann man die Berufung und die Wirkung der Gemeinde Jesu nicht erst dann wirklich verstehen, wenn man beides zusammen sieht? Wie ist das mit Inspiration und Transpiration – kann man den Dienst im Reich Gottes nicht erst dann wirklich verstehen, wenn man die Kraft Gottes und menschliche Entscheidungen zusammen sieht?

Ich wünsche mir weniger “Baude Koration” – und mehr “Baudekoration”. Weniger breite Fugen in unseren Flügeln. Für unsere Gemeinden und für mich selbst.

Und eine grüne Welle morgens um acht.


Scheidung per Mausklick

8. März 2010

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Ein Mann, eine Frau, ein Leben lang, bis das der Tod uns scheidet – oder ein Mausklick. Ein neues Angebot im Internet soll es möglich machen und den zukünftigen Ex-Ehepartnern den Gang zum Rechtsanwalt ersparen.

Die ALV Modern Divorce GmbH aus Düsseldorf, das “große europäische Dienstleistungsunternehmen für Trennung, Scheidung und Neubeginn”, verspricht mit ihrem Portal eine “Risikolose Online-Scheidung” mit “Geld-zurück-Garantie”. Ob diese Garantie auch für den Fall gilt, dass man Jahre später merkt, dass man einen großen Fehler gemacht hat, bleibt offen.

Easy-divorce.de bietet auf der Startseite einen großen und einen kleinen Button. “Direkt zum Scheidungsantrag”, steht auf dem großen. Und sollte es der Internetnutzer wider Erwarten doch nicht ganz so eilig haben mit seiner Scheidung, gibt es ja noch den kleinen Button: “Vorher noch informieren”. Reine Formsache.

Wer lieber gleich zu Potte kommen will, dem macht die Betreiberfirma Mut zum entschlossenen Handeln: “Wenn die wesentlichen familienrechtlichen Punkte, wie Unterhalt, Kinder, Vermögen und Hausrat weitgehend geklärt sind, dann kann man den Scheidungsantrag online ausfüllen jederzeit, schnell und bequem.” Während sich die katholische Kirche noch zur brutalstmöglichen Aufklärung in Sachen Kindesmissbrauch durchringt, macht “Easy Divorce” Kinder zu einem “familienrechtlichen Punkt”, den es vor dem Absenden des Online-Formulars noch zu beachten gilt.

Und weil eine so problemlose Online-Scheidung auch ordentlich gefeiert werden muss, veranstaltet die Mutterfirma “Added Life Value AG” auch gleich zünftige “Scheidungspartys” – komplett mit Sekt-Empfang, “Gute Laune Musik” und Überraschungsgast. Vielleicht gleich der oder die Neue?

Mir wird schlecht…


Die Vorder- und die Rückseite Gottes

5. März 2010

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“Alles hat zwei Seiten”, weiß der Volksmund, und Gott hat sie auch, die zwei Seiten. Zumindest wenn es darum geht, Gott zu begegnen, ihn zu erkennen wie er wirklich ist. Genau das ist der Wunsch, den Mose vor tausenden von Jahren auf dem Berg Sinai äußert (2. Mose 33,18):

Lass mich deine Herrlichkeit sehen!

Aber kein sterblicher, fehlerhafter Mensch kann Gottes heiliges Angesicht sehen – und es überleben. Gott macht damals für Mose das Maximum dessen möglich, was für Menschen damals möglich war:

Mein Angesicht kannst du nicht sehen; denn kein Mensch wird leben, der mich sieht. Und der Herr sprach weiter: Siehe, es ist ein Raum bei mir, da sollst du auf dem Fels stehen. Wenn dann meine Herrlichkeit vorübergeht, will ich dich in die Felskluft stellen und meine Hand über dir halten, bis ich vorübergegangen bin. Dann will ich meine Hand von dir tun und du darfst hinter mir her sehen; aber mein Angesicht kann man nicht sehen.

Mose durfte die Rückseite Gottes sehen – und selbst das reichte aus, dass seine Haut “glänzte, weil er mit Gott geredet hatte” (2. Mose 34, 29).

Über viele Jahrhunderte ist niemand Gott mehr so nahe gekommen, wie Mose. Bis Gott selbst seinen Menschen eines Tages seine Vorderseite zuwendet. Ihnen nahe kommt. Sein Angesicht zeigt. So heißt es zu Anfang des Hebräerbriefs im Neuen Testament:

Nachdem Gott vorzeiten vielfach und auf vielerlei Weise geredet hat zu den Vätern durch die Propheten, hat er in diesen letzten Tagen zu uns geredet durch den Sohn.

Was für Mose unvorstellbar war, wird nun Realität: Gott zeigt uns Menschen sein Gesicht, in seinem Sohn, in Jesus Christus. Gott hat ein Gesicht, und es ist ein Gesicht der unverdienten Gnade, des liebevollen Erbarmens, der verliehenen Gerechtigkeit.

Jesus macht es durch Kreuzigung und Auferstehung möglich, dass wir Gott ins Gesicht schauen können – und doch nicht vergehen müssen. Nirgendwo können Menschen Gott so nahe kommen, wie in der persönlichen Begegnung mit dem auferstandenen Jesus. Wer diese Begegnung erlebt hat und immer wieder erlebt, der  glänzt.

Nicht unbedingt auf der Haut – aber dafür mit dem ganzen Leben.