– 11. März 2010
Tags: Armut, Diakonie, Handeln, Hilfe, Verantwortung.
Manchmal sind Bibelverse so kurz, so klar, so einleuchtend, dass sie einem fast auf die Schulter springen und mühelos über längere Zeit begleiten. Über andere muss
Über den Monatsspruch für Februar 2010 muss ich dagegen länger nachdenken:
“Die Armen werden niemals ganz aus deinem Land verschwinden. Darum mache ich dir zur Pflicht: Du sollst deinem Not leidenden und armen Bruder, der in deinem Land lebt, deine Hand öffnen.” (5. Mose 15,11)
Gott organisiert hier nicht nur ein diakonisches Versorgungssystem für das Volk Israel – er macht deutlich, dass Menschen im Reich Gottes füreinander materielle Verantwortung übernehmen.
Ja, im Reich Gottes wird Hunger gestillt und Not gelindert. Aber das fällt nicht einfach vom Himmel. Sondern ist immer wieder fröhliches und freiwilliges Handeln von Menschen, die ihre Hand für andere öffnen. Damit auch der “Not leidende und arme Bruder” ganz praktisch erlebt, dass Gott selbst ihm mit offenen Armen begegnet.
Für wen kann ich meine Hand öffnen?
– 10. März 2010
Tags: Bedeutung, Kommunikation, Trennung, Verständnis.
Heute morgen an der Ampel – Berufsverkehr, Rückstau, Wartezeit… mein Blick schweift hin und her, auf der Suche nach etwas was den Moment füllt, ganz unbewusst. Meine Augen bleiben hängen am Lieferwagen vor mir (sollte man laut Straßenverkehrsordnung nicht ohnehin vorausschauend fahren?) – genauer: an der Aufschrift auf der Rückseite des Transporters. Im Entziffern einer Schriftart. die vermutlich zuallererst anders sein sollte als andere, stolpert mein verlängertes Rückenmark schließlich über zwei Wörter:
Baude Koration
Und mein Großhirn hat keine Ahnung, was sie bedeuten. Habe ich mich verlesen? Steht da vielleicht “Bruder” statt “Baude”? Haben die sich verschrieben? Müsste das nicht “Kreation” statt “Koration” heißen?
Als ich kurz davor stehe, den Code der Verschwörer mit dem Lieferwagen zu knacken, springt die Ampel auf grün – und in diesem Moment geht nicht nur das grüne Licht an, sondern mir auch ein ganzer Kronleuchter: Es sind nicht zwei Worte, es ist ein Wort – getrennt durch die Fuge zwischen den beiden Türflügeln hinten am Lieferwagen. Es heißt nicht “Baude Koration” – es heißt “Baudekoration”! Schlagartig passt für mein Großhirn zusammen, was mein erster Eindruck nicht zusammen gebracht hat.
Und während ich weiter durch den Verkehr hinter den Malern her fahre die sich als Geheimorganisation getarnt haben, frage ich mich: Wo trennen wir Dinge, die eigentlich zusammen gehören – und machen sie dadurch für andere unverständlich?
Wie ist das mit unserem Bild von Jesus als wahrer Mensch und wahrer Gott – kann man seine Mission, seine Botschaft und sein Leben nicht erst dann wirklich verstehen, wenn man beides zusammen sieht? Wie ist das mit Evangelisation und Diakonie – kann man die Berufung und die Wirkung der Gemeinde Jesu nicht erst dann wirklich verstehen, wenn man beides zusammen sieht? Wie ist das mit Inspiration und Transpiration – kann man den Dienst im Reich Gottes nicht erst dann wirklich verstehen, wenn man die Kraft Gottes und menschliche Entscheidungen zusammen sieht?
Ich wünsche mir weniger “Baude Koration” – und mehr “Baudekoration”. Weniger breite Fugen in unseren Flügeln. Für unsere Gemeinden und für mich selbst.
Und eine grüne Welle morgens um acht.
– 8. März 2010
Tags: Ehe, Ethik, Gesellschaft, Kinder, Scheidung.
Ein Mann, eine Frau, ein Leben lang, bis das der Tod uns scheidet – oder ein Mausklick. Ein neues Angebot im Internet soll es möglich machen und den zukünftigen Ex-Ehepartnern den Gang zum Rechtsanwalt ersparen.
Die ALV Modern Divorce GmbH aus Düsseldorf, das “große europäische Dienstleistungsunternehmen für Trennung, Scheidung und Neubeginn”, verspricht mit ihrem Portal eine “Risikolose Online-Scheidung” mit “Geld-zurück-Garantie”. Ob diese Garantie auch für den Fall gilt, dass man Jahre später merkt, dass man einen großen Fehler gemacht hat, bleibt offen.
Easy-divorce.de bietet auf der Startseite einen großen und einen kleinen Button. “Direkt zum Scheidungsantrag”, steht auf dem großen. Und sollte es der Internetnutzer wider Erwarten doch nicht ganz so eilig haben mit seiner Scheidung, gibt es ja noch den kleinen Button: “Vorher noch informieren”. Reine Formsache.
Wer lieber gleich zu Potte kommen will, dem macht die Betreiberfirma Mut zum entschlossenen Handeln: “Wenn die wesentlichen familienrechtlichen Punkte, wie Unterhalt, Kinder, Vermögen und Hausrat weitgehend geklärt sind, dann kann man den Scheidungsantrag online ausfüllen jederzeit, schnell und bequem.” Während sich die katholische Kirche noch zur brutalstmöglichen Aufklärung in Sachen Kindesmissbrauch durchringt, macht “Easy Divorce” Kinder zu einem “familienrechtlichen Punkt”, den es vor dem Absenden des Online-Formulars noch zu beachten gilt.
Und weil eine so problemlose Online-Scheidung auch ordentlich gefeiert werden muss, veranstaltet die Mutterfirma “Added Life Value AG” auch gleich zünftige “Scheidungspartys” – komplett mit Sekt-Empfang, “Gute Laune Musik” und Überraschungsgast. Vielleicht gleich der oder die Neue?
Mir wird schlecht…